Gesunde und nachhaltige Ernährung: Die Planetary Health Diet

Gesunde und nachhaltige Ernährung: Die Planetary Health Diet

Adrean Liegel

Im Jahr 2050 werden rund 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben, doch schon heute sprengt unser weltweites Ernährungssystem die ökologischen Grenzen unseres Planeten. Während Millionen von Menschen hungern, sterben viele andere an den Folgen von Übergewicht. Unsere Ernährung hat den größten Einfluss sowohl auf unsere eigene Gesundheit als auch auf das Wohlergehen unserer Umwelt - paradoxerweise wird derzeit beides massiv durch eben jene gefährdet. Doch die Lösungen sind da: Die Planetary Health Diet bietet Hilfe für dich und mich!

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Was ist die Planetary Health Diet?

Die Planetary Health Diet (dt. Planetare Ernährung) ist eine von der EAT-Lancet Kommission entwickelte Ernährungsstrategie, mit welcher wir uns - alle Menschen dieser Welt - sowohl gesund als auch nachhaltig ernähren können, ohne dabei die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten. Die Planetary Health Diet ist kein Ernährungstrend - sondern ein visionärer Ansatz, der die menschliche Gesundheit und das Wohl unserer Umwelt zusammenführt und auf dieselbe Karte setzt.

Die EAT-Lancet Kommission - eine Gruppe von 37 führenden Wissenschaftlern aus 16 Ländern, mit diversen Fachkompetenzen aus den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Politik und Nachhaltigkeit - hat drei Jahre lang geforscht und entwickelt. Das Ziel: Eine gesunde Ernährung ermöglichen, für rund 10 Milliarden Menschen, bis zum Jahr 2050. Das Ergebnis: Zwei Ansatzpunkte, fünf Strategien und die gesicherte Erkenntnis, dass es tatsächlich möglich ist, uns alle gesund und nachhaltig zu ernähren. 

Die Lösungen sind da, jetzt liegt es an uns. Als die zwei entscheidensten “Endpunkte” unseres globalen Ernährungssystems - die größten Hebel zur Optimierung von Gesundheit und Nachhaltigkeit - wurden zum einen der Endverbrauch (gesunde Ernährung) und zum anderen die Herstellung (nachhaltige Produktion) von Lebensmitteln identifiziert. Diese beiden Faktoren haben jeweils den mit Abstand größten Einfluss auf die menschliche Gesundheit zum einen und auf die ökologische Nachhaltigkeit zum anderen. 

Die Planetary Health Diet, die erste Lösung von den zwei entwickelten Ansatzpunkten, richtet sich in erster Linie an uns - die Endverbraucher. Der zweite Ansatzpunkt, die ökologischen Rahmenbedingungen für den nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln, richtet sich vor allem an die Politik und die Agrarindustrie. In diesem Text befasse ich mich mit dem Endverbraucher-Ansatz. Was können wir - du und ich - jetzt tun? Das besondere an der Planetary Health Diet ist, dass sie für jedermann und jederfrau direkt umsetzbar ist.

Anders als viele andere Ernährungsweisen basiert die Planetary Health Diet nicht auf einem Dogma oder bloßen Überzeugungen, sondern auf ganz rationalen Erkenntnissen einer endlichen Welt mit begrenzten Ressourcen. Es muss nicht zwingend vegan sein (wenn ich das auch empfehle), bei der Planetary Health Diet geht es weniger um Tierleid und Ethik als vielmehr um den blanken Fortbestand der Menschheit, auf einem gesunden Planeten, mit intakten Ökosystemen. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten.

 

Wie geht die Planetary Health Diet?

Der durchschnittliche Verbrauch von Nahrungsmitteln in Deutschland sieht derzeit pro Kopf und Tag wie folgt aus: 16% Obst (304g), 15% Gemüse (290g), 13% Getreide (252g), 10% Kartoffeln (186g), 7% Zucker und andere Süßstoffe (129g), 3% pflanzliche Öle und Fette (52g), 9% Rind-, Lamm- und Schweinefleisch (173g), 3% Geflügelfleisch (60g), 2% Fisch (41g), 14% Milchgetränke (271g), 5% Käse und Butter (85g) und 2% Eier (41g; 0,7 Stück). Mit enthalten ist auch die aktuelle Lebensmittelverschwendung (BMEL, 2022).

Eine sowohl gesunde wie auch nachhaltige Ernährungsweise nach der “Planetary Health Diet” könnte wie folgt aussehen (Tagesdurchschnitt): 25% Gemüse (300g), 17% Obst (200g), 20% Getreide (232g), 6% Hülsenfrüchte (75g), 4% Nüsse und Saaten (50g), 4% Kartoffeln und andere stärkehaltige Pflanzen (50g), 4% Öl und Fett (52g), 3% Zucker und andere Süßstoffe (31g), 9% Milch (250ml), 2% Geflügelfleisch (29g), 2% Fisch (28g), 1% Rind-, Lamm- und Schweinefleisch (14g) und 1% Eier (13g) (EAT, 2019).

Die meisten Studien kommen zu dem Entschluss, dass eine Ernährung mit tendenziell mehr pflanzlichen Lebensmitteln und geringeren Mengen tierischer Lebensmittel sowohl der eigenen Gesundheit als auch der Umwelt zugutekommt. Eine gesunde Ernährung bietet eine optimale Kalorienzufuhr und basiert auf einer Vielfalt pflanzlicher Lebensmittel, allem voran Gemüse und Obst (EAT, 2019). Insbesondere dunkelgrünes (Blatt-) Gemüse wie Spinat oder Brokkoli sollten wir in Deutschland deutlich mehr essen (WWF, 2022a).

Drastische Änderungen empfohlen

Auch der Verzehr von Hülsenfrüchten und Nüssen sollte drastisch steigen - beide Lebensmittelkategorien spielen derzeit eine so untergeordnete Rolle in unserer Ernährung, dass sie statistisch noch nicht mal erfasst werden. Das ist vor allem wichtig, weil empfohlen wird, dass wir unseren bisherigen Hauptprotein-Lieferanten Fleisch, insbesondere Rind, Lamm und Schwein, um das etwa 12-fache reduzieren sollten, um innerhalb der ökologischen und gesundheitlichen Vorgaben zu bleiben (EAT, 2019).

Fisch und Geflügelfleisch gelten als weniger kritisch, zum Beispiel weil sie kein Methan produzieren und sehr viel weniger Fläche verbrauchen. Zu beachten sind in jedem Fall die Herkunft und die nachhaltige Produktion. Zum Beispiel galten im Jahr 2015 mehr als 33% aller Meeresfischbestände als überfischt. 60% aller Fischgründe sind am Rande ihrer Kapazität und nur 7% werden nachhaltig oder wenig befischt (UN, 2019). Die letzten großen Änderungen betreffen unseren Konsum von Milchprodukten und Zucker.

Auch Milchkühe brauchen viel Platz und Futter. Dieser zum Anbau von Futtermitteln benötigte Platz fehlt mittlerweile, um weitere dringend benötigte Lebensmittel anzubauen. Solange wir keine effizienteren Anbaumethoden nutzen, bleibt uns die Wahl: Entweder weitere Wälder roden oder den Konsum besonders kritischer Lebensmittel reduzieren. Vor allem Käse und Butter stellen eine große Herausforderung dar. Die Herstellung von 1kg Käse benötigt etwa 10 Liter Milch, auf 1kg Butter kommen rund 20 Liter (Milchland, 2023).

Doch nicht nur tierische Produkte weisen eine negative Öko- und Gesundheitsbilanz auf. Kakao beispielsweise verursacht pro Kilo mehr Treibhausgase als Rindfleisch. Hinzu kommen ein ebenfalls sehr hoher Flächenverbrauch und der besonders hohe Wert an Biodiversität in den tropischen Anbauregionen. Durchschnittlich isst jede Person in Deutschland etwa 5,7kg Schokolade pro Jahr (WWF, 2022b). Zucker und Süßstoffe insgesamt belaufen sich auf rund 47kg pro Jahr und pro Person (BMEL, 2022).

Zwischenfazit und Zusammenfassung

Alles in allem empfiehlt die Planetary Health Diet eine überwiegend pflanzliche Kost, bestehend aus ökologischen, regionalen, saisonalen und fair produzierten Lebensmitteln. Der Großteil unserer Portionen sollte aus Gemüse und Obst bestehen. Ergänzt werden kann das Ganze mit geringen Mengen tierischer Lebensmittel, eher ungesättigten als gesättigten Fetten und möglichst geringen Mengen an raffiniertem Getreide, stark verarbeiteten Lebensmitteln und zugesetztem Zucker (EAT, 2019).

Verglichen mit unserer aktuellen Ernährung in Deutschland, sollten wir den Anteil tierischer Produkte, Kartoffeln und Zucker stark reduzieren und dafür den Anteil an Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten deutlich erhöhen (EAT, 2019). Des Weiteren sollten insbesondere Veganer auf eine wechselnde Vielzahl verschiedenfarbiger Obst- und Gemüsesorten (z.B. Blattgemüse, Wurzelgemüse etc.), diverse Arten von Nüssen und Kernen sowie möglichst unverarbeitete und naturbelassene (Vollkorn-) Lebensmittel achten.

Du kannst (und solltest) alle Angaben der Planetary Health Diet in einem gewissen Rahmen an deine individuellen Bedürfnisse anpassen. Wenn du beispielsweise weniger Nüsse essen möchtest (z.B. weil sie dir nicht schmecken oder du allergisch bist), dann musst du, um dich weiterhin ausgewogen zu ernähren, die fehlenden Nährstoffe der Nüsse durch andere Nahrungsmittel decken und ersetzen (EAT, 2019).

Wichtig ist, dass du auf deine Nährstoffe kommst, allem voran Kalorien und Protein. Die empfohlene Kalorienaufnahme liegt bei 2.500 Kalorien pro Tag. Als besonders kalorienreich gelten Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten, Öle und Fette sowie Zucker. Zu den Proteinquellen gehören Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten sowie Fleisch, Fisch und Ei. Diese Bereiche lassen sich zu teilen untereinander ausgleichen. Wie viel du von was brauchst und möchtest, bedingt sich unter anderem durch dein Geschlecht, deinen Energiebedarf und deine Vorlieben. Orientiere dich deshalb vor allem an dir selbst sowie den prozentualen Gewichtungen der einzelnen Lebensmittel-Kategorien.

 

Planetary Health Diet mit Fleisch

Eine sowohl gesunde wie auch nachhaltige Ernährungsweise nach der Planetary Health Diet mit Fleisch, könnte wie folgt aussehen (Tagesdurchschnitt): 25% Gemüse (300g), 17% Obst (200g), 20% Getreide (232g), 6% Hülsenfrüchte (75g), 4% Nüsse und Saaten (50g), 4% Kartoffeln und andere stärkehaltige Pflanzen (50g), 4% Öl und Fett (52g), 3% Zucker und andere Süßstoffe (31g), 9% Milch (250ml), 2% Geflügelfleisch (29g), 2% Fisch (28g), 1% Rind-, Lamm- und Schweinefleisch (14g) und 1% Eier (13g) (EAT, 2019).

Auswirkungen Planetary Health Diet mit Fleisch (mehr dazu im nächsten Kapitel):

 

Planetary Health Diet vegetarisch

Wenn du auf Fleisch und Fisch verzichten willst, musst du deine Nährstoffe anderweitig einholen. Eine ausgewogene vegetarische Ernährung nach der “Planetary Health Diet” könnte in etwa wie folgt aussehen (Tagesdurchschnitt): 31% Gemüse (400g), 19% Obst (250g), 18% Getreide (232g), 7% Hülsenfrüchte (88g), 5% Nüsse und Saaten (63g), 6% Kartoffeln und andere stärkehaltige Pflanzen (75g), 4% Öl und Fett (46g), 2% Zucker und andere Süßstoffe (26g), 8% Milch (100ml), 1% Käse (15g) und 1% Eier (13g) (EAT, 2019).

Auswirkungen Planetary Health Diet vegetarisch (mehr dazu im nächsten Kapitel):

 

Planetary Health Diet vegan

Natürlich lässt sich die Planetary Health Diet auch mit einer rein pflanzlichen Ernährung umsetzen. Eine ausgewogene vegane Ernährung nach der “Planetary Health Diet” könnte wie folgt aussehen (Tagesdurchschnitt): 41% Gemüse (600g), 20% Obst (300g), 16% Getreide (232g), 7% Hülsenfrüchte (100g), 5% Nüsse und Saaten (75g), 7% Kartoffeln und andere stärkehaltige Pflanzen (100g), 3% Öl und Fett (43g) und 1% Zucker und andere Süßstoffe (21g) (EAT, 2019).

Auswirkungen Planetary Health Diet vegan (mehr dazu im nächsten Kapitel):

 

Was bringt die Planetary Health Diet

Die folgenden Abschnitte beziehen sich auf die Grafiken der vorherigen Abschnitte (siehe Grafiken "Ökobilanz der Planetary Health Diet ...").

 

Gesundheit

Ernährungsbedingte Krankheiten sind weltweit für rund 20% aller vorzeitigen Tode verantwortlich (IPBES, 2019) - dabei sterben mehr Menschen an den Folgen von Übergewicht als an Unterernährung (WHO, 2021). Es sterben mehr Menschen an ungesunder Ernährung als durch ungeschützten Sex, Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum zusammen. Unsere Ernährung hat nicht nur den größten Einfluss auf unsere Umwelt, sondern auch auf unsere Gesundheit (EAT, 2019).

Die EAT-Lancet Kommission hat die möglichen Auswirkungen der Planetary Health Diet auf unsere Gesundheit anhand drei verschiedener Ansätze untersucht. Alle Ansätze kamen zu dem Ergebnis, dass eine Umstellung unserer Ernährung mit großer Wahrscheinlichkeit drastische gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Global gesehen könnten so schätzungsweise 11 Millionen ernährungsbedingte Todesfälle pro Jahr verhindert werden - das sind zwischen 19% und 24% aller Todesfälle bei Erwachsenen (EAT, 2019).

 

Artensterben

Die Schädlichkeit bestimmter Lebensmittel hinsichtlich der Artenvielfalt lässt sich zum Beispiel mit dem Biodiversitäts-Fußabdruck berechnen. Besonders wichtig sind dabei folgende drei Anbau-Kriterien: 1. Der Flächenverbrauch (und die Dauer der Nutzung), 2. Die Art und Weise der Nutzung (Intensität) und 3. Die betroffene Region. Die Region beschreibt den ökologischen Wert eines Gebietes hinsichtlich der Artenvielfalt (WWF, 2022a).

Die “corsus – corporate sustainability GmbH” hat die Empfehlungen der EAT-Lancet Kommission im Auftrag des WWF an die deutschen Ernährungsgewohnheiten angepasst und hinsichtlich der Umwelt untersucht. Laut den Ergebnissen kannst du deine ernährungsbedingten Auswirkungen auf das Artensterben mit einer omnivoren Ernährung im Rahmen der Planetary Health Diet um etwa 18% reduzieren, verglichen mit dem heutigen Durchschnitt in Deutschland (WWF, 2022b).

Mit einer vegetarischen Ernährung im Rahmen der Planetary Health Diet sollen sich die Auswirkungen auf das Artensterben um ganze 46% reduzieren. Das erklärt sich vor allem durch den Rückgang der zur Viehzucht benötigten Fläche. Mit einer rein pflanzlichen Ernährung schaffst du sogar noch ein bisschen mehr und kannst deinen Fußabdruck um 49% reduzieren. Der eher geringe Unterschied zur vegetarischen Ernährung erklärt sich vor allem durch den Flächenbedarf (WWF, 2022b). 

 

Flächenverbrauch

Für unsere derzeitige Ernährung in Deutschland nutzen wir weltweit landwirtschaftliche Flächen von rund 16,61 Millionen Hektar. Das entspricht etwa der Hälfte Deutschlands. Pro Person und Jahr sind das rund 2.022qm. Davon entfallen etwa 1.100qm (54%) auf die Produktion von Fleisch und Wurst, 514qm (24%) auf Obst, Gemüse und Getreide und 403qm (20%) auf Milch, Käse und Eier (WWF, 2022b). 

Das bedeutet, dass die Produktion tierischer Lebensmittel rund 75% aller landwirtschaftlichen Flächen für die Ernährung Deutschlands einnimmt. Dennoch kannst du deinen Flächen-Fußabdruck durch eine Reduzierung von Fleisch und Milch im Rahmen der Planetary Health Diet mit einer omnivoren Ernährung um etwa 18% verkleinern - von 2.022qm auf 1.658qm. Das sind rund 364qm weniger (WWF, 2022b).

Mit einer planetarisch-vegetarischen Ernährung kannst du, verglichen mit dem momentanen Durchschnitt, rund 924qm an landwirtschaftlichen Flächen einsparen - das sind 46% weniger Fläche. Das bedeutet, dass du deinen ernährungsbedingten Flächenverbrauch nur durch den Verzicht auf Fleisch und die Reduzierung von Milch um fast die Hälfte verkleinern kannst (WWF, 2022b).

Mit einer veganen Ernährung kannst du rund 992qm einsparen. Das sind 49% weniger Flächenverbrauch im Vergleich zum heutigen Durchschnitt. Grund für den nur geringen Unterschied zur vegetarischen Ernährung ist wohl, dass eine ausgewogene vegane Ernährung deutlich mehr Gemüse und Hülsenfrüchte (Anbaufläche) braucht, um auf den gleichen Kalorien- und Proteinbedarf zu kommen (WWF, 2022b).

 

Wasserverbrauch

Für unseren derzeitigen Nahrungsmittelbedarf in Deutschland verbrauchen wir insgesamt etwa 2.400 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr - das entspricht in etwa der Wassermenge des Chiemsees. Pro Jahr und pro Person sind das 29.000 Liter. Davon sollen 82% auf das Konto pflanzlicher und 18% auf das Konto tierischer Lebensmittel gehen. Grund dafür ist, dass Obst und Gemüse im Schnitt sehr viel mehr künstlich bewässert werden als tierische Futtermittel (WWF, 2022b).

96% aller Lebensmittel in Deutschland aus Anbaugebieten mit potenzieller Wasserknappheit entfallen auf den Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel - besonders kritisch sind Zitrusfrüchte, Nüsse und Hülsenfrüchte. Deshalb würde laut den Berechnungen der “corsus – corporate sustainability GmbH” unser derzeitiger Wasserverbrauch bei einer planetarisch-omnivoren Ernährung um etwa 34% anwachsen, auf dann 39.000 Liter pro Jahr und pro Person (WWF, 2022b). 

Bei einer planetarisch-vegetarischen Ernährung würde der Wasserverbrauch um etwa 34% anwachsen, auf dann 39.000 Liter pro Jahr und pro Person. Der Wasserverbrauch einer planetarisch-veganen Ernährung würde den vorliegenden Daten entsprechend sogar um 55% anwachsen, auf dann 45.000 Liter pro Jahr und pro Person (WWF, 2022b).

(Anmerkung des Autors: Auch wenn weniger Anbauflächen für Futtermittel genutzt werden würden und diese (oftmals beregneten) Flächen verfügbar wären? Oder bezieht sich dass rein auf den aktuellen, derzeitigen Stand?)

 

Treibhausgase

Laut dem WWF verursacht unsere aktuelle Ernährung in Deutschland pro Kopf und Jahr durchschnittlich 2.552kg CO2e. Davon entfallen 1.116kg (44%) auf Fleisch und Wurst, 779kg (31%) auf pflanzliche Lebensmittel und 646kg (25%) auf Eier, Milch und sonstige Molkereiprodukte. Demnach sind tierische Lebensmittel bei unserer derzeitigen Ernährung für etwa 69% unseres Klimafußabdrucks verantwortlich (WWF, 2022b).

Im Rahmen einer omnivoren Ernährung nach den Empfehlungen der Planetary Health Diet kannst du deinen ernährungsbedingten CO2e-Fußabdruck um etwa 27% senken, auf dann insgesamt 1.874kg CO2e (pro Jahr und pro Person). Das ergibt sich vor allem durch die Reduzierung von Fleisch- und Milchprodukten, insbesondere von Rindfleisch, Käse und Butter, da diese besonders CO2e intensiv sind (WWF, 2022b).

Im Rahmen einer vegetarischen Ernährung nach den Empfehlungen der Planetary Health Diet kannst du deinen CO2e-Fußabdruck um etwa 47% senken, auf dann insgesamt 1.360kg CO2e (pro Jahr und pro Person). Das ergibt sich durch den Verzicht auf Fleisch und die Reduzierung von Milchprodukten (WWF, 2022b).

Mit einer planetarisch-veganen Ernährung kannst du deinen CO2e-Fußabdruck um etwa 48% senken, auf dann nur noch 1.315kg CO2e (pro Jahr und pro Person). Würde ganz Deutschland so essen, könnten jährlich rund 102 Millionen Tonnen CO2e eingespart werden. Zum Vergleich: Ganz Deutschland verursacht etwa 858 Millionen Tonnen CO2e pro Jahr (WWF, 2022b).

 

Lebensmittelverschwendung

Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fielen im Jahr 2020 in Deutschland rund 11 Millionen Tonnen (noch genießbare) Lebensmittelabfälle an. Etwa 59% davon (6,5 Mio. Tonnen) wurden in privaten Haushalten entsorgt. Pro Kopf und Jahr sind das durchschnittlich 78kg (BMEL, 2023). Demnach entsorgt jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich Lebensmittel im Wert von 235 Euro pro Jahr (BMUV, 2019). 

Die Hälfte aller Lebensmittelabfälle in Deutschland gelten als einfach vermeidbar (BMUV, 2019) - das entspricht auch den Zielen und Vorgaben der EAT-Lancet Kommission und der Planetary Health Diet: Lebensmittelverschwendung um 50% reduzieren (EAT, 2019). Dafür braucht es uns alle. Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, verbessert die weltweite Ernährungssicherheit, spart Geld und verringert den Druck auf die Umwelt (UNEP, 2021).

---

Und damit sind wir auch schon am Ende dieses Artikels. Sehr spannend und aufschlussreich. Mehr zu diesem so wichtigen und grundlegenden Thema folgt in Zukunft. In diesem Sinne, liebe Grüße und alles Gute,

Adrean

 

PS: Letzte Woche haben dieser Blog, ich - und wir als Community - unseren ersten Kommentar erhalten. Ganz lieben Dank dafür, freut mich sehr. Wenn einer von euch bzw. wenn du einen Fehler findest, etwas mitteilen möchtest oder eine Frage hast, dann schreib mir gerne. Ob hier als Kommentar oder via Mail. Hilft sehr und gilt für alle Sachen die ich mache und veröffentliche. Mehr Augen sehen einfach mehr und mir liegt viel daran diesen Content bestmöglich zu kuratieren. Das Thema ist es wirklich wert. Bitte hilf mir und schreibe kurz, wenn dir etwas auffällt, das besser sein könnte.

Danke für deine Mithilfe! 

 

Quellenangaben

BMEL. (2022). Pro-Kopf-Verbrauch Lebensmittel. https://www.bmel-statistik.de/tabellen-finden/suchmaske/?stw=Pro-Kopf-Verbrauch

BMEL. (2023). Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen zur Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren. https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/
lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html

BMUV (Hrsg.). (2019). Nationales Programm für nachhaltigen Konsum. https://nachhaltigerkonsum.info/service/
downloads

EAT. (2019). Food Planet Health: Healthy Diets From Sustainable Food Systems. https://eatforum.org/eat-lancet-commission/eat-lancet-commission-summary-report/

IPBES. (2019). Global assessment report on biodiversity and ecosystem services. https://doi.org/10.5281/zenodo.3553579 

Milchland. (2023). Milch Lexikon. https://milchland.de/ernaehrung/milch-lexikon/ 

UN. (2019). UN Report: Nature’s Dangerous Decline „Unprecedented“; Species Extinction Rates „Accelerating“. https://www.un.org/sustainabledevelopment/
blog/2019/05/nature-decline-unprecedented-report/ 

UNEP. (2021). Food Waste Index Report 2021. https://www.unep.org/resources/report/unep-food-waste-index-report-2021 

WHO. (2021). Obesity and overweight. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight 

WWF. (2022a). Ernährung und biologische Vielfalt. https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Landwirtschaft/WWF-studie-kulinarischer-kompass-biodiversitaet-ernaehrung-zusammenfassung.pdf 

WWF. (2022b). So schmeckt Zukunft. https://www.corsus.de/wp-content/uploads/WWF_Zusammenfassung_
Studien_SoschmecktZukunft_WEB.pdf 

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.